Alle Eltern, so behaupte ich, kommen einmal in die Situation, die Verbindung als Paar zueinander verloren zu glauben. Entweder, weil diese im Alltag einfach sehr unter geht oder auch, weil sie durch tiefe Krisen zu verschwinden scheint.

Einer Beziehung, besonders einer Liebesbeziehung, wird meistens unterstellt, dass sie einfach der Liebe wegen zu funktionieren hat. Das ist aber schlicht und einfach unrealistisch. Denn besonders eine Liebesbeziehung von längerer Dauer ist viel Wandel, Herausforderung und Veränderung im Laufe unseres Lebens ausgesetzt.

Sind wir einmal über das Stadium des Verliebt-Seins hinaus und eben diesen Herausforderungen – durch z.B. unsere Elternschaft – gestellt, dürfen wir deshalb gerade diese Art von Beziehung besonders beobachten. Dürfen sie nähren und sich bewegen lassen.

„Wer streitet, lebt.“ habt ihr vielleicht schon mal gehört. Was soviel sagen möchte wie, eine lebendige Beziehung braucht Kommunikation, Auseinandersetzung, reden, streiten, schreien, flüstern, küssen, reden, reden, reden…

Ich möchte dir deshalb gerne Methoden vorstellen, die ich selbst in meiner Partnerschaft bereits ausprobiert habe. Einige meiner Klientinnen leben auch ohne Partnerschaft, auch für sie können einige diese Ansätze in Krisengesprächen aller Art hilfreich sein:

1. Das Zwiegespräch nach Michael Möller

Verabredet mind. 1x in der Woche einen ungestörten Gesprächstermin und vereinbart folgende Regeln: Ein Partner beginnt für etwa 15 Minuten zu sprechen, wobei der andere nur aufmerksam zuhört und NICHTS erwidert. Dabei kann erzählt werden, was immer euch gerade beschäftigt und es muss nicht dringend etwas mit dem Paarbeziehung zu tun haben. Es kann natürlich auch geschwiegen werden.

Nach 15 Minuten ist der andere Partner dran. Es muss keine Antwort auf das vorher angehörte sein.

Ihr wechselt noch ein oder zweimal, sodass jeder von euch 30-45 Minuten Redezeit hatte, indem ihm/ihr aufmerksam zugehört wurde.

Danach beendet ihr das Zweigespräch, ob ihr zu einem Ergebnis gekommen seid oder nicht. Wecker stellen

2. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg

Während oder nach einem Ereignis, einem Streit oder ähnlichem, könnt ihr euch in Gedanken oder auch im Gespräch mit dem/der Beteiligten folgende Fragen stellen, um euch selbst und das Gegenüber empathisch zu reflektieren:

a. Was ist/war MEIN Bedürfnis, Wunsch, Bitte an dich?

b. Was ist/war DEIN Bedürfnis, Wunsch, Bitte an mich?

Ihr könnt die Antworten schriftlich festhalten oder einfach in Gedanken durch gehen. Es soll zu mehr Verständnis und der Annahme des Ereignisses verhelfen und zu mehr Klarheit führen.

3. Stell dir vor, dein*e Partner*In sei dein Kind

Nein, bitte übernimm nicht die Mutterrolle in deiner Partnerschaft. Das ist keinesfalls damit gemeint.

Doch viele Mamas befinden sich in einer so krassen Transformation in ihrer Beziehung zu den Kindern, manchmal kommen Partner*Innen da nicht hinterher. Nicht weniger oft beschweren sich dieses Mamas dann, dass ihr*e Partner*In so klassich erziehen würde und die eigenen Ideen nicht umsetzen könne…

Und an genau diesem Punkt macht es Sinn, die Brille aufzusetzen, die sonst für unsere Kinder bestimmt ist: „Gib Ihr/ihm Zeit – sie dürfen Ihre eigenen Erfahrungen machen – welches Bedürfnis möchte sie/er mir mit diesem Verhalten vermitteln – ich bin vielleicht Blitzableiter, aber nicht der Grund für ihre/seine Wut…“ usw.

Du möchtest deine Kinder nicht gewaltvoll erziehen? Dann tu das auch nicht mit deiner/deinem Partner*In ❤

4. „Ehevertrag“

Es hat uns tastächlich geholfen, in scheiß-tiefen Krisen zu vereinbaren:

Wir werden uns in den nächsten 12 Monaten NICHT trennen.

Warum? Dadurch müsst ihr euch nicht bei jedem kleinsten Konflikt diese dramatische Frage stellen – Ja oder Nein?!?! Sondern könnt euch auf das Wesentliche eurer Auseinandersetzung konzentrieren. Das nimmt das -überaus störende (!)-Drama aus einem Konfliktgespräch.

Das sind vier Strategien von unzähligen und ein Angebot, eine Einladung sie aus zu probieren und für euch an zu passen.

Welche könnt ihr euch am ehesten vorstellen? Gibt es eine wichtige Erkenntnis, die du nach dem Lesen gewonnen hast?

Hör aufs Herz. und pass auf dich auf.

Deine Jana

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