Bindung & BeziehungPodcast

Wie du Bindung ganz leicht im Alltag leben kannst – und warum Berührung und Kommunikation so wichtig sind

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Zuallererst möchte ich einmal von ganzem Herzen Danke sagen! Für die berührenden Rückmeldungen zu meiner Arbeit, den Austausch und die Vernetzung, die für mich und viele bindungsorientierte Mamas dadurch entstanden ist und für ein Gefühl des gemeinsamen auf dem Weg seins. Danke, einfach danke!

Und jetzt setze ich die Doppelfolge zum Thema Bindung fort, denn heute möchte ich dir beschreiben, wie leicht du Bindung im Alltag leben kannst!
Dazu möchte ich dich einladen, einmal zurückzublicken, zum ersten Moment, als dein Baby auf dir lag. Angekommen. Erinnerst du dich? Mmmh, an diesen Duft, dieses kleine warme weiche Paket, diese glucksenden Geräusche? Vielleicht entstand dieser Moment für dich und dein Baby direkt nach seiner Geburt und ihr konntet in Ruhe ankommen und euch genießen. Vielleicht kam es aber auch erst nach einigen Stunden, Tagen oder gar Wochen dazu. So wie bei mir.

Ich hatte mein erstes Kind geboren, ja und da stand ich nun. Vor dem Inkubator und spürte, wie sehr ich schon Mutter war, wie lange das schon mein Kind war. Ich spürte dieses tiefe undurchdringbare Band zwischen uns, das mich durch diese schwere Zeit getragen hat.

Von Frederik Leboyer stammt dieser weise Satz: die erste Sprache ist Berührung.

Jede Art von Berührung löst eine enorme Flut von Informationen durch unseren Körper aus. Nach seiner Geburt und auch in den Jahren danach lernt dein Kind durch Berührung seine Welt begreifen. Die beiden wichtigsten Parameter um Bindung im Alltag zu leben sind also Berührung und Kommunikation. Beides könnte ich auch unter dem Oberbegriff Kontakt sammeln. Durch Berührung wird das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet, was beweist, dass Bindung sogar im Körper messbar ist. Dadurch spüren wir uns, fühlen uns geborgen, wahrgenommen, angenommen und geliebt. Es stellt sozusagen die Nahrung für unsere Körperwahrnehmung dar.

Durch das Stillen oder das körpernahe Fläschchen füttern z. B. bedienst du all diese Bedürfnisse in einer einzigen Handlung. Doch schon in der Schwangerschaft ist es möglich, eine intensive Bindung zu deinem Kind aufzubauen. Indem du mit deinem Baby sprichst, ihm z. B. von deinem Tag berichtest, deinen Bauch streichelst, Entspannungsreisen zu deinem Baby hörst. So kann die Beziehung zu deinem Ungeborenen bereits wachsen. Eine möglichst natürliche, beschützte und stressarme Geburt und ein ebenso folgendes Wochenbett ist eines der ersten prägsamen Ereignisse für einen sicheren Bindungsaufbau zu deinem Baby. Das erste Begrüßen und Ankommen nach der Geburt wird auch „Bonding“ genannt und sollte für euch so ungestört, wie möglich verlaufen. Und war das nicht möglich, ist es wichtig, das Bonding durch ein Ritual zu einem entspannteren Zeitpunkt nachzuholen. Doch das ist ein weiteres umfassendes Thema, auf das ich in einer eigenen Episode eingehen möchte.

Ja, selbst bei der Pflege deines Kindes kannst du eure Bindung fördern. Menschenbabys sind sich z. B. ihrer Ausscheidungen von Anfang an bewusst. Doch im Allgemeinen wird dessen gar nicht so viel Beachtung geschenkt. Hier ist ein Blick über den Tellerrand, bzw. über die Wegwerfwindel hinaus sinnvoll:

Es ist unglaublich förderlich für eine innige Bindung und besonders eine nonverbale Kommunikation zwischen deinem Baby und dir, öfter und bewusster auf sein Ausscheidungsbedürfnis einzugehen. Es geht bei der Ausscheidungskommunikation darum, dich für die Signale, die dein Baby von sich gibt, zu sensibilisieren. Ihr begebt euch auf eine Kommunikationsebene und der Ausscheidungs- und Pflegeprozess wird selbstverständlicher, fürsorglich und liebevoll. Dein Baby fühlt sich im Kontakt und in seinen Bedürfnissen gehört.

Menschenbabys sind physiologische Frühgeburten. Sie können nicht, wie andere Säugetiere, direkt nach der Geburt aufstehen, zur Mama laufen und sich selbst schützen. Menschenbabys müssen gehalten, getragen und zur Milchquelle geführt werden. Sie sind keine Nesthocker, wie Vogelbabys z. B. Deshalb beschweren sich die meisten Babys auch, wenn man versucht, sie allein in ein Bettchen oder Zimmer zu legen. Bei Menschen bilden in den ersten Monaten (bzw. Jahren) die Mutter bzw. die Eltern das „Nest“. Und damit ist nicht die Wohnung gemeint, sondern tatsächlich der Mutterkörper oder auch der Vaterkörper. Selbst der Kinderwagen ist vielen Babys in den ersten Monaten deshalb noch sehr supekt. Sie fühlen sich am wohlsten in den warmen Armen der Mutter, in den Ohren ihren sanften bekannten Herzschlag.

Unseren schnell lebigen Alltag mit so einem nähebedürftigen Bündel zu bewältigen, kann richtig schwierig werden. Deshalb ist eine Tragehilfe eine große Erleichterung und eine wundervolle Unterstützung eurer Bindung. In dieser kann dein Baby immer ganz nah bei dir sein und du hast die Hände frei, um zu lesen oder andere Dinge zu tun.

Jede Supermom braucht mal ne Pause

Hierbei möchte ich unbedingt anmerken: es fühlt sich sicher an, wie Superkräfte, wenn du deinen Haushalt mit einem (oder gar zwei) Babys in der Tragehilfe meisterst, es dabei noch stillst und über das Smartphone deine sozialen Kontakte pflegst. Doch es ist auch ok, wenn du dich hinsetzt, während dein Baby schlummert und den Haushalt Haushalt sein lässt, oder dir dafür Hilfe suchst!

Und auch Schieben ist LiebenDu und dein Baby, ihr wisst genau, was für euch richtig ist. Es verleiht dir niemand einen Orden, wenn du dein Baby 389645 Stunden getragen hast, oder es an einen Kinderwagen gewöhnt hast. Tut was immer zu euch und euren Bedürfnissen passt! Babys brauchen nicht unbedingt einen Kinderwagen, aber Eltern brauchen ihn manchmal. Wenn das Baby seine Füße entdecken und strampeln möchte, du aber unbedingt an die frische Luft musst, kann ein Kinderwagen die Lösung sein!

Das gemeinsame Schlafen in einem Zimmer oder auch in einem Familienbett, mindert nicht nur das Risiko für einen plötzlichen Kindstod, es fördert auch die Bindung zu deinem Kind und ist gerade für Vollzeit arbeitende Eltern eine wunderschöne Möglichkeit, dem Kind nah zu sein, wenn der Arbeitstag eine lange Trennung forderte. Kinder brauchen uns auch nachts. Denn gerade in dieser Zeit vollbringen sie ein unglaubliches Hirnwachstum und verarbeiten sämtliche neu erlernte Fähigkeiten. Der Schlaf eines Babys bzw. Kleinkindes ist zu seiner Sicherheit oft lange noch unterbrochen und die Begleitung in den Schlaf ist eine wichtige Unterstützung für seine Entwicklung.

Auch Rituale im Alltag können eure Bindung stärken..

..und können Verlässlichkeit darstellen wie z.B. ein bestimmtes Buch am Abend zu lesen. Oder als mein großes Kind gelernt hat, seine Socken selbst anzuziehen, habe ich so ein schönes Ritual bei ihm wieder entdeckt, welches es einfach nachgeahmt hat. Und zwar habe ich immer zu meinem Kind gesagt „erst Füße sauber machen, dann küssen, dann Socken anziehen“. Als es gelernt hat seine Socken selbst anzuziehen, hat es zuerst seine Füße abgestrichen, dann selbst geküsst und dann den Socken darüber gezogen. Rituale vermitteln deinem Kind Verlässlichkeit und Geborgenheit und das sind manchmal kleine Dinge, die man gar nicht so vorhersehen kann. Du musst ein Ritual nicht unbedingt beabsichtigt einführen, sondern das kann sich auch einfach so in euren Familien leben herausbilden.

Zu Anfang wirst du dich vielleicht noch fragen, was bedeutet das bloß, was möchte dein Baby dir mit diesem Quitschen oder dieser Handbewegung wohl sagen. Aber irgendwann werdet ihr so symbiotisch in eurer Kommunikation sein und werdet mit einem Wimpernschlag einander verstehen, was der andere braucht – du dein Kind und dein Kind auch dich. Du wirst all die Feinzeichen deines Kindes erkennen können. Auch später gibt es sicher immer wieder Entwicklungsphasen, in denen du glauben wirst, dein eigenes Kind gar nicht mehr wiederzuerkennen. Auch dann wird es immer wieder dazu kommen, durch eure Kommunikation, durch Augenkontakt, durch das Begleiten und Besprechen der Situation miteinander, dass ihr wieder zueinander findet, das eure Bindung sich wandelt und wächst und wächst und wächst und sich dann wieder anders anfühlt und doch immer tiefer.

Indem du deinem Kind in seinen alltäglichen Bedürfnissen aufrichtig zuhörst und ihm das Gefühl gibst, dass es mit allen schönen und leichten aber auch lauten und starken Emotionen willkommen ist, nährst du eure Bindung und sein Selbstbewusstsein. Indem du durch Berührungen, aufmerksame Blicke und bestätigende Worte mit deinem Kind in Kontakt bleibst, unterstützt du eure Bindung ganz leicht.

Hör auf dein Herz und pass auf dich auf.

Deine Jana Pereira Mendes

Wenn du dich schon ein bisschen mit der bindungsorientierten Elternschaft oder auch Attachment Parenting oder, wie auch immer du es nennen möchtest, beschäftigt hast, bist du vielleicht auch schon zu der Frage gelangt, ob du tatsächlich alle diese Tools wie Tragen, Stillen, Windelfrei, Familienbett integrieren musst, um wirklich bindungsorientiert zu leben. Weil das manchmal so eine große Verunsicherung mit sich bringt, werde ich diesem Thema eine extra Episode widmen „was bindungsorientiert nicht bedeutet“. Und auch, wie du deine Bedürfnisse selbst empathisch achten kannst.

Wenn du dir Begleitung wünschst, dann melde dich über mein Kontaktformular oder über meine sozialen Kanäle, wie Facebook Instagram oder schreib mir eine E-Mail über Kontakt@fraubirnbaum.com. Melde dich einfach, stell deine Fragen! Ich würde mich unglaublich freuen, wenn du mir zurückmeldest, wie es dir damit geht bindungsorientiert zu leben oder leben zu wollen, was da deine Frage sind, Unsicherheiten sind und ich würde mich unglaublich freuen, wenn du auch diese Episode teilst, wenn sie dir geholfen hat. Oder wenn du Mamas kennst, die auf der Suche sind nach Unterstützung bindungsorientiert leben zu können!

Und jetzt danke ich dir Herzen, dass du wieder zugehört hast! Freu dich schon auf die nächste Episode, in der wir weiter vertiefen, wie du bindungsnah und bedürfnisorientiert leben kannst, ohne dich selbst zu verlieren!

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Jana Pereira Mendes

Sozialpädagogin B.A. I Mama *2014 *2017 I Bloggerin - Schreibt und berät zu den Themen Bindung & Beziehung, Selbstverantwortung und Selbstfürsorge, natürliche Familienpflege, (Mutter-) Milch Ernährung nach Bedarf uvm.

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