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Wie du anderen Mamas mit Wertschätzung begegnest – und warum ich einer kreischenden Mama Hilfe anbot

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In dieser Episode möchte ich dich einladen, deine Beziehungen und deine Haltung anderen Mamas gegenüber neu zu denken.

Vor einigen Monaten habe ich das Netzwerk für bindungsorientierte Mamas gegründet, für meine Heimatregion. Wir treffen uns einmal wöchentlich, so auch letzte Woche. Die Atmosphäre unter uns ist immer sehr angenehm, wir schätzen einander wert, teilen eine bindungs- und beziehungsorientierte Haltung und vor allem müssen wir uns für nichts rechtfertigen.

Letzte Woche trafen wir uns also auf einem Spielplatz, dort ist richtig viel Platz für ein großes Picknkickdecken-Lager auf dem wir alle unsere Snacks teilen und gemeinsam unsere Kinder im Spiel betreuen. Ich stand gerade mit einigen Kindern und zwei Mama-Freundinnen an der Wippe, als am nahe liegenden Klettergestell ein lautes Kindergeschrei ertönte. Sofort richteten sich alle Blicke auf die Situation, so auch meiner.

Eine Mama stand dicht bei ihren beiden Kindern, die einander nicht an dem Gerüst vorbei lassen wollten. Die Kinder kreischten und auch die Mama wurde lauter in ihrem Versuch zu schlichten. Das kleinere Kind wendete sich ab, als die – mir fremde – Mama nochmal nachsetzte, „sie solle sich ansehen, was sie gemacht habe“. Sie war sichtlich aufgebracht und ich erkannte blutige Kratzspuren an der Brust ihres älteren Kindes, das nun anfing zu weinen.

Während meine Mama-Freundinnen begannen sich über die, in diesem Moment geschehende Situation zu unterhalten, war die Lage der fremden Mama, der Gruppe, der sie angehörte, scheinbar gleichgültig. Wie schade“ dachte ich gerade, als besagte Mama ihr kleineres Kind laut zu sich zitierte, wütend, „Komm hier her und kuck was du angerichtet hast!“. Sie musste die Blicke auf sich spüren und ich überlegte kurz, ob sie sich durch diese Blicke zu irgendeiner Handlung oder Konsequenz genötigt fühlte.

Nun ging sie in energischen Schritt auf ihr jüngeres Kind zu, die Situation gewann an Dramatik und meine Hab-acht-Antennen stellten auf höchste Empfangsbereitschaft. „Wenn sie jetzt…“ dachte ich und näherte mich langsam dem Geschehen, hinter mir die murmelnden und neben mir die gleichgültgen Spielplatzeltern. Sie riss ihr Kind am Arm und schleifte es laut schimpfend zu ihrem älteren Kind, das Gemurmel hinter mir wurde empörter, ich kam der fremden Mama immer näher.

Es geht ihr nicht gut, dachte ich. Ich ging ganz nah, suchte ihren Augenkontakt, während sie mittlerweile ihr Kind auf dem Arm ankreischte,“ sie solle doch sehen, was sie angetan hätte“, dem anderen schluchzenden Kind immernoch an gleicher Stelle hockend. Ich suchte ihre Augen, schaute sie genau an, um uns herum ärgerliche und wertende Blicke, neben gleichgültigen und bestätigenden. Ich wartete bis sie mich registrierte und unterbrach dann die Situation mit der Frage

„Brauchst du Hilfe?“

Brauchst du Hilfe fragte ich sie, ja. Und es ist total interessant, denn überall wo ich diese Situation beschrieben habe, ob persönlich oder online, kam die Rückfrage „Und, wie hat sie reagiert?“ Interessant warum? Das möchte ich dir erklären, denn in diesem Moment fragte ich mich nichts weniger, als wie sie reagieren würde! Ich sah sie an und spürte ein flaues Gefühl im Magen, sah ihre Kinder an und spürte Not. Not und Verzweiflung.

Es ging ihnen nicht gut. Es geht ihr nicht gut, dachte ich in genau diesem Moment. Wie wünschte ich mir wohl, das jemand auf mich aufmerksam wird oder auf mich reagiert?  Ich spürte dieses flaue Gefühl und alles, was ich wollte war, diese Situation zu unterbrechen. Was hättest du getan? Ich hatte nicht dir Absicht, sie zu verurteilen oder sie anzuprangern, sie könne doch ihre Kinder nicht so behandeln. Das waren für mich zwei Schritte vor dem ersten.

Wer bin ich, das Handeln dieser fremden Mama zu bewerten? Mir zeigt sich nur eine winzige Momentaufnahme eines individuellen Mama Alltages mit schlaflosen Nächten, Einsamkeit und des Selbst-zu-kurz-kommens, wie wir es alle kennen. Eine Mini Sequenz eines ganzes Lebens mit geprägten Handelsmustern, Glaubenssätzen und Werten. Urteile ich in einer solchen Situation über ihr Verhalten. Unterstelle ich, dass sie ihre Kinder wahrscheinlich immer in dieser Art oder noch grober behandelt, so stelle ich mich über sie. Doch bin ich wirklich eine bessere Mama? Geht es wirklich um diese Frage?

In der beschriebenen Situation bin ich definitiv ausgeglichener und sie angespannter, verzweifelter. Mehr Knecht ihrer eigenen Erziehung und Glaubensmuster, als ich es gerade bin.

Ob sie wirklich Hilfe brauchte? Ob sie sich durch meine Frage angegriffen oder bloß gestellt fühlte? Auch hier sind die Assoziationen unglaublich spannend. Was löst dieses Angebot auf Hilfe bei dir aus? Erleichterung? Anmaßung? Verurteilung?  Tatsächlich meldeten mir Menschen rück, dass es doch sehr vorwurfsvoll sei, ihr zu unterstellen, sie brauche Hilfe. Ich würde mich ungerechtfertigt in ihre Erziehung einmischen. Für mich war das in diesem Moment nicht wichtig. Meine Handlung war ausgelöst durch den Wunsch die Situation zu unterbrechen, für sie und ihre Kinder. Mir war wichtig, dass sie sich in ihrem Übergriff, aber auch in ihrer Verzweiflung gesehen fühlt. Mir war auch das Signal an ihr Kind wichtig.

Durch mein Hilfsangebot unterbreche ich die aufgeladene Situation. Mit großer Wahrscheinlichkeit würde die Mama sich angegriffen fühlen, wenn ich zu ihr sage „das kannst du doch nicht machen!“ Natürlich gibt es Situationen, in denen wir Gewalt an Kindern oder anderen Personen nicht tolerieren sollten. Wenn wir uns dabei selbst nicht in Gefahr begeben, ist es immer gut einzuschreiten, allein um des Signals willen „du und deine handlung sind öffentlich und werden gesehen“. Das ist meine persönliche Sicht. Als Coach vertrete ich die Haltung, Hilfe nur nach Auftrag, d.h. ich drücke niemandem meine schlauen Weisheiten für ein besseres Leben auf. Doch als Privatperson, als Mama im Alltag wünschte ich mir oft mehr Wertschätzung und Anerkennung untereinander. Wir laufen aneinander vorbei ohne zu grüßen, selten interessiert es Passanten, ob jemand fremdes gerade Hilfe benötigt.  Ja, ich hockte schon kauernd und zwei Kinder tröstend auf der Straße, mein Kinderwagen Richtung Bahnübergang rollend und kein Mensch ist stehen geblieben. Kein Mensch hat sich nach uns umgedreht.

Gerade unter mamas möchte ich hier zu mehr Empathie und Vereinigung aufrufen! Wir sitzen alle im selben – von Autonomieanfällen und Fiebernächten – durchgeschütteltem Boot. Auch wenn wir uns in manchen Wertevorstellungen unterscheiden, macht es deinen und den Tag einer weiteren Mama doch so viel zufriedener, wenn du ihr zeigst „Hey, du bist ok. Ich kenne das so gut.“

Brauchst du Hilfe?“ fragte ich die fremde Mama, die auf dem Spielplatz grob ihr Kind am Arm zog und es anschrie. Sie wirkte peinlich berührt, sofort änderte sich ihr Gesichtsausdruck, ein kleines verhaltenes Lächeln huschte über ihre Lippen. Sie lies von ihrem Kind ab. „Er hat sich verletzt, soll ich nach dem anderen Kind schauen?“ fragte ich noch einmal. „Nein, nein, sie wollte nur klatstellen, dass das nicht geht“ erklärte sie mir und nahm ihr weinendes Kind auf den Arm, um es zu trösten. Ich schenkte ihr noch ein Lächeln und entfernte mich langsam und denke:

Was auch immer dich in diesem Moment, auf diese Weise handeln lässt. Warum auch immer du dem Impuls nachgehst, dein Kind so grob anzufassen – ich sehe deine Not. Ich verurteile dich nicht.

Die Situation beruhigt sich, sie geht zurück zu der Gruppe von Eltern, der sie angehört. Keiner von ihren Freunden oder Bekannten spricht mit ihr. Sie tröstet ihr Kind. Als ich aufbreche und meine Sachen und Kinder zusammen suche um zu gehen, treffen sich erneut unsere Blicke. Die fremde Mama schenkt mir über die Entfernung ein Lächeln und verabschiedet sich.

Wenn auch du in eine ähnliche Situation gerätst, möchte ich dich einladen, dich zuerst zu fragen: Wie möchte ich, dass andere auf mich reagieren? Welche Gründe könnte eine Person für ihr Verhalten mitbringen?

Lasst uns Gutes unterstellen. Immer zuerst Gutes.

Lasst uns keine Mama-Wettkämpfe führen. Lasst uns einander unterstützen und tragen. Lasst uns verbünden in unserer großen Aufgabe neues Leben liebevoll in diese Welt zu begleiten!

Hör auf dein Herz. Und pass auf dich auf.

 

Deine Jana Pereira Mendes

 

Hast du selbst schon einmal solche Situationen erlebt? Ich meine nicht, ob du schonmal dazwischen gegangen bist. Sondern, hast du selbst dein Kind schon einmal öffentlich anders behandelt, als du es dir gewünscht hast? Wie wünschtest du dir, dass andere auf dich reagieren? Lass mich unbedingt wissen, welche Situationen du bereits erlebt hast. Wann hast du Wertschätzung gezeigt oder erfahren, in einer Situation, die sich zunächst gar nicht danach anfühlte?

Lass uns miteinander verbinden auf Facebook, Instagram, oder schreib mir eine email über kontakt@fraubirnbaum.com. Lass mich teilhaben, welche Emotionen dir nach dieser Episode bleiben und unglaublich freuen, würde ich mich über eine 5 Sterne Bewertung auf iTunes und über deine Nachricht, wo stehst du gerade in deinem Leben als Frau und Mama.

Ich danke dir von Herzen, dass du zugehört hast.

Ich bin Jana Pereira Mendes, Pädagigin, Mothering Coach und Mama von zweien und es ist mir eine Herzensangelegenheit Mamas mit einander zu vernetzten und zur gegenseitigen Unterstützung zu animieren.

 

 

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Jana Pereira Mendes

Sozialpädagogin B.A. I Mama *2014 *2017 I Bloggerin - Schreibt und berät zu den Themen Bindung & Beziehung, Selbstverantwortung und Selbstfürsorge, natürliche Familienpflege, (Mutter-) Milch Ernährung nach Bedarf uvm.

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