Bindung & BeziehungPodcast

Du bist die Komponistin der inneren Stimme deines Kindes! – Warum es nicht möglich ist, dein Kind mit Liebe zu verwöhnen

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Neulich saß ich in einem Café meiner Heimatstadt unter einem großen Kastanienbaum, voll behangen mit grünen Früchten und diesen großen gezackten Blättern, die ich als Kleinkind in allen Farben gesammelt habe. Um mich herum saßen ein paar Leute, ein angenehmes Murmeln umgab mich. Ein alter Mann ging wackelig an mir vorbei. Ich kannte ihn. In meiner Kindheit war er unser Vermieter und ich habe mich sehr vor ihm gefürchtet. Er hatte eine strenge und urteilende Stimme und uns Kindern war bekannt, dass wir ihm zu laut waren.

Neulich, als er so an mir vorüber ging, viel kleiner und zerbrechlicher als ich ihn in Erinnerung hatte, fragte ich mich, welche Bindungserfahrung hat dieser Mann wohl gemacht? Welche Traumata erlitten in Kriegszeiten? Und auch die murmelnden Menschen um mich herum, wie waren sie wohl geboren und in diese Welt begleitet worden? Wie waren sie aufgewachsen? Ob sie sich in den Schlaf schreien mussten, Nacht für Nacht?

Wenn es ein Vertrauensverhältnis zulässt, frage ich gerne meine Mitmenschen, wie ihre eigene Geburt verlaufen war und was sie darüber denken. Ich sehe einen Menschen an und frage mich, wie viele die mir gegenüber stehen, haben wohl eine traumatische Geburtserfahrung nicht aufgearbeitet? Wie viele von den schon erwachsenen aber auch jungen Menschen um mich herum, die täglich Beziehungen leben, wurden wohl aus welchen Gründen auch immer, vor Verzweiflung und Angst schreiend allein gelassen, „um das Schlafen zu lernen“? Wie viele verletzte Kinder bestimmen jeden Tag unbewusst und unerkannt das Wirken unserer Gesellschaft, den Alltag einer Schulklasse, die Diagnostik eines Kinderarztes?

Wenn ich so genau darüber nachdenke, mir den Lebensbeginn der Menschen, die im Café um mich herum sitzen, vorstelle. Wenn ich erlebe, welche Ratschläge an junge Eltern heran getragen werden. Dann macht es mich traurig. Es bringt mich beinahe zum Weinen. Mir steigt förmlich die Angst, welche in einem schreienden Kind brennt und die Verzweiflung, die junge Eltern weit fort von ihrem Bauchgefühl treibt, die Kehle hinauf. Doch dann schwemmt sich meine Kraft darüber. Mein Gerechtigkeitsbedürfnis, mein Mitgefühl formt sich zu einem Aufklärungswunsch. Und zu einem Wunsch die Menschen und besonders Mamas und Papas zu entlasten, zu sich zurück und in eine liebende Umgebung voller Wertschätzung zu begleiten.

Eltern zu werden, lässt uns die eigene Kindheit erst in jeder Faser begreifen. Erst wenn wir selbst Eltern sind und eigene Kinder schützen und lieben, können wir (aus meiner Sicht) verstehen, welche Liebe, aber auch welche Not unsere eigenen Eltern empfunden haben müssen. Welche Gedanken, sie sich gemacht haben oder auch nicht. Manche Erkenntnis kann rückblickend sehr schmerzhaft sein, auch wenn sie uns als „Single“ohne Kinder ganz und gar nicht tangierte. Und manche Erinnerungen können sich geborgen und weich anfühlen. Das sind meist diese, welche wir in unser persönliches Erziehungskonzept mit einschließen.

Geht es dir auch so, dass du nun als Mama alles in einem Neuen Licht zu sehen scheinst? Begreifst du deine eigene Kindheit neu und hinterfragst vieles? Hast du dir in manchen Situationen vorgenommen, anders zu handeln, als du es selbst erlebt hast? Vielleicht hast du dir auch vorgenommen, dein Kind bindungsnah und bedürfnisorientiert zu begleiten. Doch du stehst oft unter Kritik, dein Kind zu sehr zu verwöhnen oder sogar es mit deiner Liebe zu erdrücken.

Sicher hast du schon den Satz gehört, es müsse da mal durch oder so lenrt es ja nie selbstständig zu werden…Wenn dich diese Sätze sehr verunsichern, wenn es dir nicht gut dabei geht, sie zu hören, dann möchte ich dir jetzt den Rücken stärken und erklären, warum Bindung der Boden unserer Beziehungen ist und was es mit der Bindungstheorie auf sich hat.

 

Die Bindungstheorie..

..wurde von dem Kinderpsychater John Bowlby und der Psychologin Mary Ainsworth entwickelt . Sie geht davon aus, dass es ein tiefes Grundbedürfnis des Menschen ist, eine intensive Beziehung zu seinen Mitmenschen aufzubauen. Genauas machte Bowlby durch ein Experiment deutlich, welches bewies, dass die Beziehung zwischen Mutter und Kind nicht ausschließlich durch das Nahrung reichen bestimmt ist, sondern die gelebte Zuneigung einen viel wichtigeren Anteil ausmacht.

Jeder Mensch ist also mit bestimmten Verhaltenssythemen ausgestattet, welche unser Überleben sichern. Zu diesen gehört beim Menschenkind das Bindungsverhalten. Das besteht aus Handlungen, die du beobachten kannst, wie z.B. Lächeln, Schreien, Festklammern, zur Mutter-krabbeln, Suchen der Mutter usw.
Es veranlasst dich als Mama oder eine andere enge Bezugsperson dazu, mit Schutz, Beruhigung und Trost zu antworten.
Dieses Bindungsverhalten stellte für unsere Vorfahren Schutz vor z.B. Raubtieren dar und auch, wenn wir heute in unserer sicheren 4Zimmer-Küche-Bad leben, ist dieser Schutzmechanismus evolutionsbedingt bis heute in uns verankert.

Wenn du also promt auf das Unwohlsein, weinen oder schreien deines Kindes reagierst und es hoch nimmst, dann tust du etwas unglaublich wichtiges. Du formst seine sichere Basis, die es braucht um überhaupt neugieriges Verhalten entwicklen zu können. Durch diese Sicherheit macht dein Kind sich zunehmend selbst unabhängig von dir. . Du musst es nicht weinen lassen, damit es lernt sich zu regulieren. Im Gegenteil, erst durch deine Unterstützung und Co-Regulation, deine liebenden Arme und tröstende Stimme, lernt dein Kind Mechanismen und Strategien kennen, sich selbst durch die Trauer oder den Schmerz zu tragen.. Du prägst damit seine Bindungsmuster für das gesamte folgende Leben. Und damit auch die Art und Weise, wie dein Kind in Beziehung zu anderen Menschen gehen kann und wird.

 

Du komponierst mit deiner bindungsnahen Kommunikation die innere Stimme deines Kindes!

Durch die Prägung seiner ersten Kinderjahre, entscheidest du zu einem großen Teil mit, wie es als erwachsener Mensch einmal selbst über sich denken wird. Wie es als Frau oder Mann einmal in der Lage sein wird, sich selbst zu motivieren und sich gut zuzureden.

Wird ein Kind einmal zu sich sagen „da muss ich durch auch wenn es mir schlecht geht, auch wenn es schon weh tut“. Oder wird es sich selbst bewundernd zusprechen mit Worten, wie „Ich bin richtig. Meine Bedürfnisse sind wichtig und ich stehe jetzt für mich ein“

Bindung im Alltag zu leben ist im Grunde so leicht. Und im zweiten Teil, dieser Doppelepisode zum Thema Bindung, möchte ich dir aufzeigen, wie du Bindung ganz leicht im Alltag leben kannst. Verstehst du jetzt, warum du dein Kind mit Liebe nicht veröhnen kannst? Kennst du das Zitat von Anthony Witham: Kinder werden erst dann verwöhnt, wenn wir Präsenz gegen Presente ersetzen. Begreifst du, welchen wichtigen Schritt du tust, indem du es tröstest, wann immer es danach verlangt?

Hör auf dein Herz. Und pass auf dich auf.

Deine Jana Pereira Mendes

Ich hoffe ich konnte dich mit dieser Episode etwas entlasten, wenn du dachtest etwas falsch zu machen oder dich fragtest ob das mit dem bindungorientierten Weg wirklich richtig ist. Wenn du dich darüber hinaus fragst, wie du dich dabei selbst nicht verlieren kannst oder wenn du spürst, dass deine eigene innere Stimme dich selbst nicht sehr wichtig nimmt, dann freue dich auf kommende episoden zum thema selbstandbindung und selbstfürsorge als bindungsorientierte mama und lerne wie du deine innere stimme positiv umdichtest!

Lass uns miteinander verbinden auf facebook, instagram und schreib mir unglaublich gern einen Kommentar oder eine mail an kontakt@fraubirnbaum.com, was deine emotionen und gedanken zum thema bindung sind und was für dich unabdingbar dazu gehört?

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Ich bin Jana Pereira Mendes, Pädagogin, Mothering Coach und Mama von zweien und ich danke dir von herzen, dass du zugehört hast.

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Jana Pereira Mendes

Sozialpädagogin B.A. I Mama *2014 *2017 I Bloggerin - Schreibt und berät zu den Themen Bindung & Beziehung, Selbstverantwortung und Selbstfürsorge, natürliche Familienpflege, (Mutter-) Milch Ernährung nach Bedarf uvm.

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