Als ich begann mich selbst zu lieben – (k)ein Geburtsbericht

Ich habe geboren. Wach. Stark. Informiert. Entschlossen. Konzentriert.

Ich habe geboren. Als vor Kraft leuchtende, laut brüllende Löwin. (Nicht elfengleich und leise, wie in all den verzaubernden Wassergeburtsvideos).

Ich habe geboren. Auf Händen getragen und verehrt wie eine Göttin von dem Mann, von dem mir nicht klar war, wie gut er mich und unsere Kinder kennt.


Ich habe geboren
. In ständigem Kontakt zu unserem Sohn, der sich selbstverständlich den Weg auf diese Welt frei tanzte.

Ich habe geboren. Begleitet von den schönen Erinnerungen an die Geburt unserer Tochter, die Teil dieser zweiten Geburt sind.

Und deshalb entschied ich mich selbst zu lieben.

Denn ist der Ort wichtig, wenn diese Geschehnisse mich stärker, mutiger und meiner Selbst bewusster hervorbringen?

Eine Hausgeburt hatte ich uns gewünscht. Vielleicht sogar idealisiert. Dachte, ich müsse es schaffen so zu gebären, wie in all den wundervollen Videos und Berichten von Geburten im Wasser, Zuhause oder gar unassistiert. Nur dann hätte ich meine volle Geburtsleistung erbracht und mein ganzes weibliches Potenzial ausgeschöpft. Ich wollte uns dieses Erlebnis schenken.

Und dann kam es anders. Mein Körper war wieder früher bereit, als sämtliche Mutterpass-Statistiken es als ungefährlich einstuften. Wir fuhren in die Klinik aus Fürsorge zu unserem ungeborenen Kind.

Welche Mächte oder was auch immer dazu führten, dass unser Sohn sich zu diesem Zeitpunkt auf den Weg zu uns machte? Ich habe diese Frage einige Nächte hin und her gewälzt. Es mit Vorwürfen und Selbstzweifel versucht. Bis ich entschied mich selbst zu lieben. Für das, was ich geschaffen hatte. Für den Zauber,  gesundes neues Leben hervor bringen zu können. Für die tiefe Kraft, für mich und uns einzustehen. Mir genau meiner Grenzen und meiner Fähigkeiten bewusst geworden zu sein. Uns Eltern als unschlagbares Team, unüberwindbare Schutzmauer erlebt zu haben.

Das ist, worauf es ankommt. Selbstwirksamkeit – Selbstermächtigung – Selbstbestimmung zu erfahren. Bewusst die Fähigkeit zu erleben, unsere eigene weiche warme Geburtshöhle zu schaffen,  gleich unter welchen örtlichen und personellen Bedingungen.

Deshalb ist es so wichtig, vorbereitet und informiert auf die Geburtsreise zu gehen. Sich z.B. eben nicht mit der Einstellung „wird schon gut gehen“ in eine Klinikroutine zu begeben, welcher nicht immer allein die Unversehrtheit von Mutter und Kind wichtig ist.

Liebe Mamas. Liebe Eltern. Seid informiert und bereit.

Und dann seid milde mit euch. Denn wir tun immer unser bestmögliches, mit all dem Wissen und der Kraft, die uns in diesen besonderen Momenten verfügbar ist.

Fragst du dich, wie du dich selbst lieben kannst, für eine Geburt, die vielleicht nicht deinen Wünschen entsprach? Möchtest du in Zukunft selbstverantwortlicher handeln und für dich einstehen? Melde dich gern und wir finden heraus, wie ich dich unterstützen kann.

Alles Liebe, Jana*

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Comments: 5

  1. Kraehenmutter says:

    Toll geschrieben, toll gemacht, tolle Frau.

  2. Anne says:

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Das ist eine wundervolle Art und Weise, wie du gehandelt hast!!!
    Ich wünsche euch das beste für die Zukunft!

  3. Esther says:

    Ganz toller Text!
    Ich glaube, dass viele Mütter sich heute zu viel Druck machen, die „perfekte Geburt“ zu erleben. Sie lesen Geburtsberichte, wunderbare Erfahrungen (und ganz schreckliche Krankenhauserlebnisse) und fühlen sich verpflichtet, die eine, bis ins Detail geplante Traumgeburt zu haben. Und machen sich hinterher Vorwürfe, weil sie das nicht „geschafft“ haben. In manchen Fällen klappt die ambulante Entbindung eben nicht oder es muss ein Kaiserschnitt gemacht werden. Sicher darf man wehmütig sein, sogar traurig. Aber keine Frau sollte sich selbst Vorwürfe machen, weil sie vermeintlich nicht richtig funktioniert oder sich nicht genug angestrengt hat.
    Ich hatte einen geplanten Kaiserschnitt – etwas, das ich nie wollte. Aber es war das Beste für mein Kind. Ich habe diese Entscheidung mit den Ärzten zusammen getroffen. Und das ist wichtig: dass man sich vor und unter der Geburt nicht ausgeliefert fühlt, sondern gut informiert und in die Entscheidungen mit einbezogen wird. Dann fällt es leichter, mit dem unperfekten Geburtserlebnis umzugehen.

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